Fünf Tipps für den Schulalltag

Wenn die Wälder bunter, die Abende nebelig-kuschelig und Badeausflüge immer seltener werden, ist es soweit: das neue Schuljahr hat begonnen. Neue Klassenkameraden wurden zu Freunden, die Sitzordnung steht fest und die ersten Buchstaben sind bereits auf zahlreichen Heftseiten verewigt. Vom Schlusslicht Bayern bis nach Berlin, bundesweit sitzen die Abc-Schützen nun bereits einige Wochen gespannt im Unterricht. Die erste Aufregung ist verflogen. Was nun? Tipps zum Schulstart gibt es wie Sand am Meer, doch was gilt es zu beachten, wenn der Alltagstrott das Kribbeln des Unbekannten ersetzt? In diesem Beitrag geben wir dir fünf Tipps für mehr Effektivität im Schulalltag.

Routine, Routine, Routine, Wer braucht das schon?

Wie lautet der Spruch dazu noch gleich? Ach ja: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Klar, das klingt erst nicht sonderlich überzeugend. Wie viele Fitness-Anfänger bleiben schließlich nach den kostenlosen Probemonaten direkt nach Weihnachten am Ball? Wenn das bereits bei Erwachsenen mit einem gewissen Maß an Selbstdisziplin nicht klappt, kann das auch keiner von einem Kind erwarten, oder?

Sehen wir uns die Sache etwas genauer an. Sportler, Musiker, Doktoranden, Selbstständige, sie alle haben eines gemeinsam: ihre Volition. Die Fähigkeit, Ziele dauerhaft in Handlungen umzusetzen. Der Unterschied zur Motivation ist kinderleicht erklärt: Motivation dient der Zielsetzung, Volition der Umsetzung. Sie ist praktisch gesehen die Willenskraft.

Betrachten wir die Willenskraft wie einen Muskel wird schnell klar, dass auch diese sich bei regemäßiger Betätigung anpasst. Jeden Tag eine Runde zu joggen fällt langjährigen Sportlern doch weitaus leichter als blutigen Anfängern. Was nicht ausschließlich an der körperlichen Fitness liegt. Die Willenskraft wird stets mittrainiert.

Was all dies mit unseren jungen Abc-Schützen zu tun hat, hast du bestimmt schon erraten. Besonders Kinder profitieren immens von Routinen. Je öfter diese eingehalten werden, desto leichter ist der neue Alltag zu bewältigen. Routinen geben dem Alltag Struktur, fördern die Schlafqualität und dadurch auch die Konzentrationsfähigkeit. Sie schaffen Raum und Zeit für die angenehmen Dinge des Lebens.

Der Vorabend und Morgen

Jeder muss es tun, kaum einer mag es: früh aufstehen. Auch den Kleinen geht es dabei nicht anders. Während die meisten den Kindergarten erst gegen 9 Uhr betreten, läuten die Schulglocken schon um 7:45 Uhr. Davor muss aber noch so einiges erledigt werden: Zähne putzen, anziehen, frühstücken. Besonders wenn die Kids nach den Ferien nicht mehr an einen geregelten Ablauf am Morgen gewohnt sind, kann es hier schon mal zu Verzögerungen kommen. Deshalb gilt: reichlich Zeit einplanen. Nicht nur in der Früh.

Entspannte Morgen beginnen bereits am Vorabend. Vor dem Zubettgehen wird der Schulranzen gemeinsam gepackt. Quasi als kleines Ritual vor dem Abendbrot. Auch das Outfit kann bereits zurechtgelegt werden. Modebewusste Kinder können den Eltern dabei gerne zur Hand gehen.

Mit dem Eintritt in das Schulalter geht oftmals leider eines der schönsten Rituale verloren: das Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte. Dabei ist eben dieses für Kinder überaus vorteilhaft. Ob das Kind nun der Stimme einer geliebten Person lauscht, oder selber seine erlernten Lesefähigkeiten präsentieren kann, tägliches Vorlesen bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Der Wortschatz wird erweitert, der Familienzusammenhalt gestärkt, Kreativität und Fantasie werden gefördert und durch das Einfühlen in unterschiedliche Charaktere wird sogar das Sozialverhalten unterstützt. Mal ganz zu schweigen von der verbesserten Schlafqualität durch den geordneten Schlafrhythmus.

Ein geregelter Abend führt zu entspannten Morgen, mehr Zeit für ein gemeinsames Frühstück und einem perfekten Start in den Tag!

Gemeinsames Lesen mit Eltern und Kind

Die Hausaufgaben

Ob dein Kind sie nun mit Freude macht oder sie als lästige Bürde betrachtet, Hausaufgaben müssen erledigt werden. Dies gilt trotz der Zweifel an deren Sinnhaftigkeit. Besonders bei Grundschülern ist seit Jahrzehnten fraglich, ob Hausaufgaben tatsächlich einen positiven Einfluss auf den Lernerfolg haben. Eines steht jedoch fest: werden Kinder gezwungen nach dem Unterricht stundenlang kniffelige Aufgaben zu lösen, kann man dies nicht als erfolgreiches Lernen, sondern allenfalls als Zeitverschwendung ansehen. Wichtig hierbei ist nämlich nicht die Dauer sondern die Motivation. Ein schnelles und effektives Bearbeiten kurzer und vor allem sinnvoller Aufgaben ist angesagt.

Klar, Eltern haben keinen Einfluss auf die Aufgaben. Auf das Empfinden der Kinder allerdings schon. Wird einem Kind die Bedeutung einer Aufgabe erklärt, geht es mit dem neu gewonnenen Verständnis gleich mit viel mehr Elan an die Sache ran. Eigentlich logisch, oder? An das ständige Hinterfragen, vor allem im Matheunterricht, ob man die Formel, denn irgendwann im Leben noch brauchen wird, erinnern wir uns doch alle. Kannst du deinem Kind auf Fragen dieser Art Antworten geben, sind die Hausaufgaben im Nu erledigt.

Deine persönliche Einstellung

Kinder lernen von ihren Eltern. Mehr als den meisten bewusst ist. Wer schon einmal beobachtet hat, wie der Tonfall, die Mimik und Gestik und die Wortwahl von Kindern denen ihrer Eltern gleich, hat schon einmal einen kleinen Einblick darin gewonnen, wie viel Kinder von Bezugspersonen tatsächlich übernehmen. Es ist mehr als nur das Gesagte. Unbewusste Einstellungen der Eltern, Stimmungen und die Art wie mit Stress, Konflikten und unangenehmen Situationen umgegangen wird, führen alle zu konkreten Verhaltensweisen der Kleinen.

Nicht alle denken mit Freude an ihre Schulzeit zurück und lernen machte nur den wenigsten Spaß. Doch heißt das auch, dass du dies deinem Kind vermitteln musst? Natürlich ist es wichtig Mitgefühl zu zeigen. Wenn Schulkinder nach einem für sie langen Tag auch einmal ihr Leid klagen wollen, sollten sie bei Mama und Papa stets ein offenes Ohr finden. Grundsätzlich profitieren Kinder allerdings von einer eher positiven Einstellung der Eltern.

Dies gilt sowohl für die Schule allgemein, als auch für die damit verbundenen Pflichten und Personen. Besonders die Lehrer sollten vor den Kindern niemals schlecht gemacht werden. Dir gefallen die Lehrmethoden nicht? Unterhalte dich mit deinem Partner, andern Eltern oder der Lehrperson darüber. Denn die Autorität der Lehrer ist ein wichtiger Faktor im Lehr- und Lernprozess. Gleiches gilt auch für, wie eben schon erwähnt, Hausaufgaben. Dein Kind spürt, wenn du keine Lust auf das Lesenüben hast und wird es mit der Zeit ebenso meiden wollen. Versuche also auch selber mit mehr Freude an die alltäglichen Aufgaben ranzugehen und dein Kind wird es dir gleichtun.

Elterliche Skepsis und Verantwortungsbewusstsein

In allen vorangegangenen Tipps nehmen Eltern eine unterstützende Rolle ein. Davon brauchen vor allem junge Schüler auch eine Menge. Allerdings gelangt keiner allein damit ans Ziel. Deine Einstellung kann noch so positiv sein, die Hausaufgaben noch so effektiv und die Routine noch so durchdacht, irgendwann kommt der Zeitpunkt, da wird dein Kind schlicht keine Lust haben. Wenn die Freunde draußen warten, der Gruppenzwang auf dem Pausenhof zu unsinnigen Mutproben führt oder auch einfach so, irgendwann geht etwas schief. Ob nun ein vergessener Aufsatz oder eine Rauferei in der Schule, dein Kind ständig zu entschuldigen und Ausreden zu finden, bringt auf Dauer nichts.

Von Zeit zu Zeit sind die Extra-Aufgaben angebracht und nicht bei jedem vergessenen Kunstprojekt können die Kids krankgemeldet werden. Sonst gibst du deinem Kind nie die Chance sein Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln. Auch wenn es schwer fällt, deinem Kind die Freiheit zu überlassen, die Konsequenzen seines Handelns selber zu tragen, ist ein wichtiger Schritt zur Selbstständigkeit.

Routinen zu entwickeln, die auch wirklich funktionieren, ist nicht leicht. Für Mama und Papa ebenso wie für den Nachwuchs. Es lohnt sich aber allemal. Achte vor allem darauf nicht in die Perfektionismus-Falle zu tappen. Letztlich geht es nicht um die Gewohnheiten an sich, sondern darum deinem Kind ein stabiles Umfeld zu schaffen und die richtigen Rahmenbedingungen zu kreieren um den Schulalltag erfolgreich meistern zu können.

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