Pucken reloaded – alte neue Wickelmethode

Was manchen herzlos erscheinen mag, ist eine uralte Methode der Säuglingspflege, die in vielen Kulturen und Teilen der Welt vollzogen wurde: das Pucken. Dabei wird das Neugeborene fest in ein großes Tuch eingewickelt, damit es still liegt. Doch während eingewickelte Babys früher nahezu bewegungsunfähig waren, wird das Pucken heute nach neuesten Erkenntnissen angewendet. Dabei liegen die Arme des  Säuglings zwar fest am Körper an, die Beine haben jedoch genügend Freiheit. Pucken reloaded.

„Es handelt sich um eine wiederentdeckte Methode“, sagt Buchautorin Rita Steininger aus München. Die Technik und das Material seien verbessert worden. Außerdem werde das Pucken heutzutage nur noch zu Schlafenszeiten angewendet und nicht – wie früher – um das Kind ruhigzustellen.

Warum aber sollte man sein Baby auf diese Art einwickeln? Studien zufolge habe diese Methode durchaus positive Effekte auf Säuglinge. Die Kinder fühlten sich wohl, weil die vertraute Enge des Mutterleibs nachgeahmt werde, heißt es etwa bei Aden + Anais, Hersteller von Pucktüchern.
Auch Rita Steininger bestätigt das: „Pucken gibt Babys Halt und Geborgenheit, weil es an die Erfahrungen im Mutterleib anknüpft.“ Sie empfiehlt deshalb, gleich nach der Geburt damit zu beginnen. Die Methode ist für Kinder im Alter bis zum sechsten Monat geeignet.

Pucken beruhigt, das wissen Mütter seit Generationen. Derart eingewickelte Babys schlafen besser und länger, da reflexartige Bewegungen der Arme, die Kinder häufig aus dem Schlaf reißen, vermieden werden. Diverse Studien belegen die positiven Effekte auf das Schlafverhalten. Sogar Schreibabys können damit beruhigt werden.

Es mehren sich Hinweise, dass Pucken das Risiko des plötzlichen Kindstodes verringern kann. Einen direkten Zusammenhang  sieht  Steininger jedoch nicht. „Ich kenne keine Studien, die das belegen“, sagt sie. „Es wurde lediglich festgestellt, dass gepuckte Babys wesentlich besser die Rückenlage akzeptieren, die als Vorbeugung gegen den plötzlichen Kindstod empfohlen wird.“

Rita Steininger rät jungen Eltern zu pucken – sofern sie die Methode richtig anwenden, das passende Material wählen und vorher mit dem Arzt sprechen. Denn das Pucken ist nicht für jedes Kind geeignet, weiß die Autorin. Bei Säuglingen mit Hüftdysplasie etwa dürfe die Wickeltechnik nicht angewendet werden. Auch Babys, die Fieber haben, dürften nicht gepuckt werden.
Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Pucken gemacht? Wir sind gespannt auf eure Kommentare.

●  Rita Steininger arbeitet als freie Lektorin und Sachbuch-Autorin mit den Schwerpunkten Gesundheit, Erziehung und Entwicklungsförderung. Daneben schreibt sie Sachbücher für Kinder. Sie hat zwei Söhne und lebt mit ihrer Familie in München. Weitere Informationen unter: www.rs-textredaktion.de
Mehr zum Thema Pucken: Rita Steininger: Geborgenheit und Selbstvertrauen. Wie Kleinkinder ein gutes Körpergefühl entwickeln. Verlag Klett-Cotta, 2007

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